Folge 31: Borderline – Eine Gratwanderung entlang psychischer Extreme

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Episoden-Beschreibung:

Bei Borderline handelt es sich nach psychoanalytischem Verständnis um eine schwere strukturelle Störung, die ihren Ausgangspunkt in frühen verheerenden oder traumatischen Bindungserfahrungen hat. Die charakteristischen Symptome, wie häufig bspw. das sogenannte "Ritzen" oder "Schwarz-Weiß-Denken", stellen nach diesem Verständnis Organisationsversuche dar, das fragile Ich in Momenten gefühlter innerer Leere und Auflösung wieder zu stabilisieren und zu halten.

Literaturempfehlungen:

  • Bateman, Anthony W., Fonagy, Peter (2014). Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Ein mentalisierungsgestütztes Behandlungskonzept. Gießen: Psychosozial
  • Kernberg, Otto (1978). Borderline-Störungen und pathologischer Narzißmus. Frankfurt am Main: Suhrkamp
  • Kernberg, Otto (1996). Ein psychoanalytisches Modell der Klassifizierung von Persönlichkeitsstörungen. Psychotherapeut 41: 288-296
  • Weiß, Heinz (2009). Das Labyrinth der Borderline-Kommunikation. Klett-Cotta.

Kommentare

CJ@psy-cast.de
by CJ@psy-cast.de on 10. Oktober 2019
Liebe Johanna, ja, Borderline und Bindungstraumata stehen in engen Zusammenhang, weshalb auch immer wieder in Erwägung gezogen wird, Borderline treffender als eine spezielle Variante der Posttraumatischen Belastungsstörungen zu bezeichnen. Bzgl. Ihrer Frage wäre dies wohl im Einzelfall genauer zu erwägen: Prinzipiell kann es schon sein, daß Traumata auch außerhalb der Elternbeziehungen entstehen. Es spielen ja häufig auch noch andere Personen eine wichtige Rolle im Leben eines Kindes, z.B. Großeltern oder andere Verwandte, Erzieher etc., und wirken somit auch prägend. Darüber hinaus ist ein Charakteristikum von Trauma ja unter anderem, daß es an der Stelle, an der es die Person »trifft« auch bereits entstandene – d.h. auch ›gute‹ – Ich-Strukturen zerstören kann. Denkbar bei einer ansonsten sicheren Eltern-Kind-Bindung ist aber, daß die Eltern relativ zeitnah eine gewisse »Verstörung« beim Kind bemerken und versuchen, herauszufinden, mit was das in Zusammenhang stehen könnte und dann handeln (z.B. indem sie den Kontakt zu dem »Aggressor« unterbinden, mit dem Kind über das Erlebte sprechen oder ggf. Therapien aufsuchen etc.). Dann könnten möglicherweise bereits entstandene Verletzungen noch aufgefangen werden. Allerdings gibt es ja Vorfälle, die so »schlimm« sind (etwa extreme Mobbing-Erfahrungen, Mißbrauch durch einen Lehrer/in o.ä.), daß sie sehr nachhaltig wirken und dann wäre auch die Entwicklung einer schwerwiegenderen Symptomatik denkbar, trotz aller guten Intentionen, die die Eltern vielleicht haben mögen. Die Resilienz-Forschung zeigt allerdings auch, daß Kinder mit sicheren Bindungen zu den Eltern seltener psychisch krank werden. Eine sichere Bindung ist also ein guter Schutzgeber / protektiver Faktor bzw. wirkt hilfreich/stützend bei der Verarbeitung eines Traumas.
Johanna
by Johanna on 20. Mai 2019
Guten Tag Frau Dr. Loetz und Herr Dr. Müller, ich habe mit Interesse Ihren Beitrag gehört. Wenn ich richtig verstanden habe, liegt der Borderline-Störung in der Regel ein Bindungstrauma in der frühen Kindheit zugrunde. Können Traumata außerhalb des Elternhauses nach psychoanalytischer Sicht ebenfalls eine Störung der Ich-Entwicklung nach sich ziehen und zu einer Borderline-Störung führen? Oder ist es so, dass bei sicher gebundenen Kindern in der Regel genügend Kontinuität besteht, sodass sich die Ich-Funktionen trotz Trauma weitesgehend ungestört entwickeln können? Freundliche Grüße
Gratwanderung
by Gratwanderung on 18. Mai 2019
Gratwanderung

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