Folge 39: Wiederholungszwang: Wiederholungszwang – Oder: Warum fang’ ich immer wieder von vorne an?

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Wohl jeder Mensch hat irgendwelche Themen, die sich in irgend einer Weise wiederholen. Manchmal scheint geradewegs ein Fluch auf uns zu liegen. Partnerschaften, die immer wieder auf dieselbe Weise enden, Prüfungen, auf die man immer zu spät lernt, wichtige Treffen, die man ungewollt versäumt. Warum es sich hierbei nicht unbedingt um ein Schicksal, wohl aber um ein Rätsel des Unbewußten handelt, darum geht es in dieser Folge.

Literaturhinweise:

  • Freud, S. (1914/1999). Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten. Ge-sammelte Werke, Band X. Frankfurt am Main: Fischer.
  • Freud, S. (1920/1999). Jenseits des Lustprinzips. Gesammelte Werke, Band XIII. Frankfurt am Main: Fischer.
  • Laplanche, J., Pontalis, J.-B. (1999).Vokabular der Psychoanalyse. Frankfurt am Main.: Suhrkamp Taschenbuch Verlag
  • Mertens, W., Waldvogel, B. (2000). Handbuch Psychoanalytischer Grundbegriffe. Stuttgart: Kohlhammer
  • Storck, Timo (2013). Doing Transference: Agieren als Ver-handeln der Übertragungsbeziehung. Jahrbuch der Psychoanalyse, 66:81-120
  • DPV-Kongreßband (2009). Wie wird Neues möglich? Das Unerwartete in der Psychoanalyse. DPV-Frühjahrstagung 2009. Frankfurt/Main: Congress Organisation Geber & Reusch

Kommentare

M. Fenster
by M. Fenster on 27. Oktober 2019
Im Text wird als Grund für das Phänomen der Wiederholung genannt, dass etwas Bedeutsames, aus der Kindheit Herrührendes unverarbeitet; dasjenige ist nicht integriert und macht sich in der Psyche in Symptomen oder Wiederholungshandlungen immer wieder geltend. Als Hintergrund, so wie ich es verstehe, bestimmt ihr die Psyche allgemein als aus Widerholungen aufgebaut; über Wiederholungen konstituiert sie sich, daher ist es auch logisch, dass sie, immer wenn sie was zu verarbeiten hat, es wiederholt. Ich frage mich mit Horney, ob in dieser Erklärung nicht das gegenwärtige Subjekt vernachlässigt wird. Sprich, dass die Person aufgrund aktueller widerstreitender Tendenzen Gründe hat, bestimmte Handlungen und Beziehungenschemata zu wiederholen. Z.B. X will etwas und lehnt es zugleich ab, daher kann X etwas etwas nur sich selbst uneingestanden agieren oder daher macht X etwas und macht es zugleich wieder kaputt. Demnach wäre der Grund ein Konflikt, aber ein Konflikt, der in dem gegenwärtigen Charakter begründet ist; – und nicht oder nur in zweiter Linie in dem Sinne, dass etwas nicht integriert ist, unbewältigt, wie ein Stein im Schuh, aber man kann den Schuh nicht aufmachen. Ich meine das ist ein Unterschied; in eurer Erklärung ist es gewissermaßen ein Automatismus, das hat was Mechanisches. So verdinglicht ihr „die Psyche“, die dann als Subjekt im Subjekt fungiert: „Die Psyche ist […] der unerschüttlichen Meinung, daß wir durch Wiederholung lernen würden, genauer gesagt, ihr ganzes Wesen ist auf Wiederholungen aufgebaut, insbesondere dann, wenn ihr ein Thema zu schaffen macht, wie etwa das Trennungsproblem beim Fort-Da-Spiel.“ (S. 5) Und kurz: „Was die Psyche beschäftigt, das wiederholt sie.“ (S. 6) Das Subjekt wird getilgt, Agens ist ein Homunculus, die Psyche im Subjekt. Diese Erklärung hat was Tautologisches. Als treibende Kraft wird ein Automatismus unterstellt, der das Phänomen hervorbringt. Mir hat eingeleuchtet, was Horney dazu in „Neue Wege in der Psychoanalyse“ in Kapitel 8 „Die Betonung der Kindheitserlebnisse“ schreibt. Sie sagt, dass die Psychoanalyse nach Freud die Betonung auf einer Wiederholung der Kindheitserlebnisse legt, dass sie insofern genetisch ist, was auch seine Berechtigung hat, aber in einer evolutionär-mechanistischen Weise ausschließlich wird. In dem Zusammenhang geht sie noch auf die Begriffe Regression und Übertragung ein. Sie geht demgegenüber von der charakterlichen Anpassung an die Kindheitserlebnisse als Grund für die Wiederholungen aus. Diese können Ähnlichkeit zu alten, kindlichen Verhaltensweisen, aber der Grund besteht nicht in einem Widerholungszwang. Das ist ihres Erachtens insbesondere wichtig für die praktische Arbeit und die Betonung, den man den Kindheitserinnerungen zumisst.

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In diesem Podcast widmen wir uns der Erforschung des Unbewußten, der zeitgenössischen Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und den Verfahren der Psychotherapie. Literaturempfehlungen befinden sich im Anhang der jeweiligen Folge.

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