Folge 44: Trauer. Der Weg durch das Schattenreich.

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Episodenbeschreibung:

Trauer gehört zu den unvermeidlichen Erfahrungen des Lebens, denn wir leben in einer Welt, die vergänglich ist. Die Verarbeitung von Verlusten gehört zu den schwierigsten seelischen Prozessen, die zugleich jeden Menschen betreffen. Manche Trauerprozesse verlaufen dabei so schwer, dass sie in psychische Erkrankungen münden. Die Folge beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Phänomenen und Schattierungen der Trauer und wie man sie therapeutisch begleiten kann.

Wir danken Herrn Dr. Haas für die hilfreiche Durchsicht des Manuskriptes!

Literaturempfehlungen

  • Abraham, K (1924): Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido auf Grund der Psychoanalyse seelischer Störungen. In: Psychoanalytische Studien, Bd. 1, Frankfurt a.M.: Fischer.
  • Auchter, T (2019): Trauer. Gießen: Psychosozial.
  • Auchter, T (1995). Über das Auftauen eingefrorener Lebensprozesse. Winnicotts Konzepte der Behandlung schwerer seelischer Erkrankungen. Forum der Psychoanalyse, 11, 62–83.
  • Bowlby, J (1980): Verlust, Trauer und Depressionen. Frankfurt a.M.: Fischer.
  • Freud, S (1916): Trauer und Melancholie. In: Gesammelte Werke, X, 428–446. Frankfurt a.M.: Fischer.
  • Haas, E (1990): Orpheus und Eurydike. Vom Ursprungsmythos des Trauerprozesses. Jahrb. Psychoanal., 26, 230–252.
  • Haas, E (1998): Rituale des Abschieds: Anthropologische und psychoanalytische Aspekte der Trauerarbeit. Psyche, 52, 5, 450–470
  • Haas, E. (2002). Theodora R. – Kasuistische Mitteilungen zum Thema Brückenobjekt, pathologische Trauer und Katharsis. In: …Und Freud hat doch recht. Die Entstehung der Kultur durch Transformation der Gewalt, 155–172. Gießen: Psychosozial.
  • Kast, V (2013): Trauern: Phasen und Chancen des psychischen Prozesses. Stuttgart: Kreuz.
  • Müller, J.J. & Loetz, C. (2019). Was bleibt, wenn keine Zukunft ist – Die Bedeutung von Trost in der psychoanalytisch orientierten Sterbebegleitung. Sonderheft: Altern und Sterben. Forum für Psychoanalyse, 35, 149–161
  • Volkan, V (1981): Linking Objects and Linking Phenomena. A Study of the Forms, Symptoms, Metapsychology and Therapy of complicated Mourning. New York (US): IUP.

Kommentare

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Liebe(r) Witwesk, Sie sprechen das schwierige Spannungsfeld zwischen Allgemeinheit und Individualität an, in dem wir uns mit dem Podcast bewegen. Wir bemühen uns, dieses Feld nach unseren Möglichkeiten offenzuhalten und nicht normativ zu vereinseitigen, das ist sicherlich eine Bewegung in Widersprüchen. Beste Grüße J. Müller & C. Loetz
Witwesk
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Vielen Dank für Ihre Antwort! Ja, dass Sie versucht haben, sich "einem psychoanalytischen Zugang zu Trauerprozessen anzunähern, wie sie sich häufig ereignen", ist mir klar. (Die Psychoanalyse - welche eigentlich? - ist ja Ihr "frame", in den Sie in diesem Podcast alles spannen.) Und dann schreiben Sie in Ihrer Antwort, dass das - hier Trauer bzw. der Umgang damit - "immer etwas sehr Individuelles ist". - Ja aber was denn nun?! "Trauerprozesse, wie sie sich häufig ereignen", oder "etwas sehr Individuelles"? Und dann wehren Sie ab, dass ich Ihnen sage, Sie machen normative Vorgaben. Das ist aber ein Faktum: Sie machen normative Vorgaben. Allein schon durch Ihre Wertungen "gelingend" vs. "nicht gelingend"; oder jetzt in Ihrer Antwort durch Ihre Wertungen "mild" vs. "kompliziert". Genauso undurchdacht ist Ihr Rückzug auf "symbolische Wendungen" und auf eine ebensolche: das "innere Objekt" (mal abgesehen davon, dass Sie Ihren Kontrahenten, in diesem Falle mich, damit als Idioten darzustellen versuchen, der diese Diskurstraditionen nicht kenne): Sie sprechen in Ihrem Podcast die Worte: Der vom Hinterbliebenen auszuführende "zweite Tod, der den Verstorbenen zur Ruhe kommen lässt". Damit sagen Sie zartbesaiteten Hinterbliebenen, die womöglich die Ideengeschichte der "symbolischen Wendung" vom zweiten Tod (und - sicherlich exotischer - vom "inneren Objekt") tatsächlich nicht kennen, dass sie ihre Toten nicht zur Ruhe kommen lassen. [Nochmals 'plain': Sie sagen Menschen, dass die ihre Toten nicht zur Ruhe kommen lassen. !!! Was ist das für ein Satz?! Der ist vollkommen irre!] Und selbst mir als jemand, der diese Metapherngeschichte einigermaßen kennt, sagen Sie das. - Denn: Unterschätzen Sie bitte nie die individuelle Wirklichkeit und Wirksamkeit "symbolischer Wendungen"; die übrigens in diesem Falle längst schon in die Populärkultur des Selbstoptimierungszwangs eingegangen sind! [Trauer ist in dieser Kultur verboten.] Kurzum: Ich rate zum Überdenken des Gebrauchs von Modalverben (insbesondere des Modalverbs "sollen"), zum Überdenken des Gebrauchs von wertenden Partizipien/Adjektiven ("gelingend"), und zum Überdenken dessen, ob es sinnvoll ist, so individuelle Prozesse wie psychisches Erleben und Psychoanalysen in einem von Natur aus verallgemeinern müssenden Podcast zu 'verbreiten'. Dieses Format muss - anders als Fachliteratur - ohne Fußnoten (und damit weitgehend ohne Differenzierung) auskommen, und es muss - anders als reale Psychoanalysen - ohne die Begegnung von (zwei) Menschen auskommen. Übrigens: Dass Ihnen in Ihrer Antwort so viele Rechtschreibfehler unterlaufen sind, halte ich für eine klare Aussage. (Als Sie Ihre Beiträge hier noch via PDF zur Verfügung stellten, war in denen nur selten ein Rechtschreibfehler zu finden.) Mit freundlichen Grüßen Witwesk
CJ@psy-cast.de
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Liebe(r) Witwesk, besten Dank für die Rückmeldung und ausführliche Auseinandersetzung mit der Folge. Ein Aspekt ist uns aber wichtig: wir haben versucht, uns einem psychoanalytischen Zugang zu Trauerprozessen anzunähern, wie sie sich häufig ereignen. Wir hoffen, aus der Folge (wie aus den anderen Folgen) geht dennoch hervor, dass Trauer und der Umgang damit letztlich immer etwas sehr Individuelles ist; auch, welches Verhältnis man letztlich zum Leben findet. Wir wollen überhaupt keine Vorgaben machen, wie man richtig Trauern soll, sondern versuchen zu verstehen, warum manche Trauerprozesse für die Betroffenen milder oder komplizierter verlaufen. D.h., warum in manchen Fällen ein Weg aus der Trauer gefunden wird (in diesem Sinne: die Trauer gelingt) oder keine Lösung aus der Trauer gelingt – mit natürlich vielen Zwischenbereichen. Das »sollen« bezeichnet auf keinen Fall eine normative Vorgabe, die wir geben wollen, sondern ein inneres Gefühl, wie es nach unserer Erfahrung in Trauerprozessen häufig vorkommt (man möchte den Verstorbenen als Erinnerung bei sich behalten, nicht in ein völliges Nichts auflösen). Aber auch das kann natürlich individuell sehr unterschiedlich sein. Der »zweite Tod« ist eine (in der Psychoanalyse und Ethnologie geläufige) symbolische Wendung, die sagt, dass zur Lösung von einem verlorenen Menschen ein Moment von Aggression notwendig ist, die aber häufig schwerfällt. Das "Zur Ruhe kommen lassen" bezieht sich natürlich nicht auf den realen Verstorbenen, sondern das innere Bild bzw. innere Objekt. Beste Grüße J. Müller & C. Loetz
Witwesk
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Ich schlage einen Perspektivenwechsel vor (und Verzeihung, das bedarf einiger Sätze, bevor ich bei Ihrem aktuellen Thema „Trauer“ ankomme; doch auch in diesen Sätzen schon geht es darum): Sie affirmieren »das Leben«. Ich affirmiere nichts. (Ich habe zwei Tode hinter mir, einen, den ich in Ihrer Diktion „gelingend betrauert“ und einen, den ich in Ihrer Diktion „nicht gelingend betrauert“ habe.) Sie affirmieren alles. Vor allem das LEBEN. Sie verlautbaren (nachlesen kann man Ihre Podcast-Folgen ja leider nicht mehr), dass LEBEN heiße, - sich aus Leidenszeiten zu befreien; - an der Zukunft teilzuhaben; - sich dem Neuen zuzuwenden; - Freude und Lust zu empfinden. Ich halte das alles für eine lächerliche Illusion. Meiner Ansicht nach heißt LEBEN nichts davon: - keine Befreiung von Leid, weil ganz im Gegenteil spätestens mit zunehmendem Alter das Leid sich mehrt; - keine Zukunftsteilhabe, weil Zukunft immer das ist, was erst noch kommt und sich jeglichem gegenwärtigem Zugriff (und nichts anderes ist uns zugänglich!) entzieht; - keinen Zwang zu Novität (den aber Sie – wie so viele weitere Zwangsmaßnahmen in Ihrem Beitrag – insinuieren), weil das Neue oft erkennbar das Falsche ist; - keine Freude und Lust, sondern Zurichtung und Aushalten. Sie müssen logischerweise, also auf der Basis Ihrer Lebensideologie, zum Thema „Trauer“ Sätze äußern wie die folgenden: - „Denn aus dem Verstorbenen soll am Ende der Trauer ja nicht ein beliebiges Nichts, sondern eine bedeutsame Erinnerung, ein Teil des eigenen Lebens geworden sein“; - „In der gelingenden Trauer unterscheidet sich der Betrauerte immer mehr von der realen Person, die er war“. Das ist insofern logisch, als Sie die einstige EXISTENZ des Toten, die dem Hinterbliebenen oft sehr präsent ist und bleibt, aufgrund Ihrer Lebensideologie leugnen müssen. – Um stattdessen massiv auf den Narzissmus des Hinterbliebenen zu setzen (‚verdrehe alles‘, ‚leugne alles‘, ‚rede dir alles so zurecht, wie’s in dein Leben passt‘). Und wenn ich Sie nun beim Wort nähme, MÜSSTE (denn Sie sprechen da ja ganz klar von „sollen“ und von „richtig“ bzw. „falsch“) ich meinen etwaigen KZ-Aufseher-Opa nach seinem Tode umerinnern in einen Bibliothekar, der jedes Eselsohr aufgeklappt in seine Handflächen bettete, Nacht für Nacht. __________ Und eins noch: Sie podcasten, dass der Hinterbliebene dem Toten einen 2. Tod zufügen müsse, damit „de[r] Verstorbene[] zur Ruhe kommen“ könne. - Zweifelsohne muss ein Kandidat Ihrer {und damit übrigens der mainstreampsychoanalytisch} „gelingenden Trauer“ seinen Verstorbenen ein zweites Mal zu Tode bringen. Doch halte ich es für ausgemacht, dass das den Verstorbenen zu keiner weiteren Ruhe mehr bringen wird, denn der ist tot - aber den Hinterbliebenen bringt so ein statement wie hier von Ihnen in NOT, lernt er daraus doch, dass er bislang nicht fähig ist, seinen Verstorbenen zur Ruhe kommen zu lassen.

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Über diesen Podcast

In diesem Podcast widmen wir uns der Erforschung des Unbewußten, der zeitgenössischen Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und den Verfahren der Psychotherapie. Literaturempfehlungen befinden sich im Anhang der jeweiligen Folge.

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